Segelclub Fällanden

SCF-Herbstregatta, 23. September 2018

Eine Regatta beginnt bekanntermassen ja schon am Vorabend, beim Wetterbericht-Studieren. Was habe ich da soeben gelesen? Kaltfront aus Westen mit gegen 15° C Temperatureinbruch und bis zu 7 Windstärken? Ups, das kann ja heiter werden, mit einem Katamaran mit nicht-reffbarem Grosssegel erst recht. Alles sicher halb so wild, habe ich mir gedacht, morgen werden wir sehen, was Mutter-Natur für uns so im Köcher hat.

Sonntagmorgen: Die Wettervorhersagen sind immer noch gleich wie am Vorabend. Aber so richtig dick sollte es bei uns erst am späteren Nachmittags kommen. Also, nichts wie los nach Fällanden! Dort angekommen: Ruhiges Wetter, kaum Wind und schon recht viele gut gelaunte Segelkollegen auf dem Platz. Und, was sehe ich da: Um die 15 Optimisten stehen da herum, und die meisten von ihren Skippern stehen schon in voller Montur parat zum Auslaufen. Aufregung pur, man sieht es ihnen regelrecht an.

Mein Boot, ein Sportkatamaran mit dem neudeutschen Namen „Seagull“ (Möve), war schnell vorbereitet; mittlerweile habe ich eine gewisse Routine damit. Die Steuermannbesprechung unter der Leitung von Volker verlief gewohnt locker, die Reggattabahn ist ja immer die gleiche. Und zum Schluss noch der kleine dezente Hinweis, dass vielleicht das Ganze wegen Wetterumsturz ein bisschen kürzer als sonst ausfallen könnte. 3, 2, 1 und los, alle eilten zu ihren Booten.

Ich verpasste leider den besten Zeitpunkt, um die „Seagull“ in Richtung Rampe zu ziehen und komme voll in den Optimisten-Stau (wusste gar nicht, dass es so was überhaupt gibt). Nach der Einwasserung geht es Richtung Regattabahn, wo die Regattaleitung alle Hände voll zu tun hat, den Dreieckskurs möglichst korrekt zum Wind auszurichten. Der Wind kam noch aus SE und wirklich stark war er auch nicht. Also noch ein bisschen Warmsegeln, kann ja nicht schaden.

1. Lauf: Kurz vor 11 Uhr kam der erste Startschuss des Tages. Ich tat mein Bestes, um von Windloch zu Windloch zu segeln und war dann nach kurzer Zeit sehr weit hinten im Feld zu finden. Erst gegen Ende des Laufes kam der Wind, allerdings nicht ganz aus der Richtung, die sich Volkers Team erhofft hatte. Mein erster Gedanke beim Zieleinlauf war: OK, das Streichresultat habe ich schon mal auf Nummer sicher.

Juhui, der Wind ist da! Zuerst müssen allerdings Agnes und Urs mit ihrem Motorboot die Bojen versetzen und zwar so richtig: Der Wind hat jetzt auf SW gedreht. Beim Warten auf den zweiten Lauf hat es zum Teil so richtig schön Wind und Bootsgeschwindigkeiten im zweistelligen Knoten-Bereich waren keine Seltenheit. Die Vorfreude auf den zweiten Lauf stieg ...

2. Lauf: Start kurz nach 12 Uhr. Je näher wir uns dem Westufer näherten, desto unbeständiger wurde der Wind. Es brauchte eine ganze Weile, bis die Luvtonne endlich gerundet war. Bei der darauffolgenden Leetonne kam dann das Unheil: Unkontrolliertes Halsen und meine erste Kenterung mit diesem Boot war perfekt. Das Wasser war zwar überraschend warm, aber ich beeilte mich trotzdem, das Aufrichten einzuleiten, allerdings ohne Erfolg. Nur der Einsatz von Agnes und Urs half, das Boot aufzurichten. Ich segelte den Parcours noch fertig, das will ja der olympische Geist, aber letzter wurde ich allemal. OK, damit habe ich schon zwei Streichresultate eingeheimst. Mir ging durch den Kopf: Wie viele gültige Läufe braucht es überhaupt, damit zwei Streichresultate für diese eine Regatta gewährt werden? Schaffen wir das noch vor Einbruch der Dunkelheit? Vermutlich eher nicht.

3. Lauf: Kurz vor 13:30 ging es wieder los. Die Bedingungen haben sich nicht wirklich geändert. Auf dem Vorwindkurs nach der ersten Luvtonne erwischte ich eine Privatböe, die mich rasant schnell an vielen anderen Booten vorbei bis zur Leetonne beförderte. Leetonne? Aufgepasst: Da kentert mein Kat doch so gerne. Also, bitte jetzt ein sauberes Manöver fahren. Alles hat  auf zur nächster Kreuz bestens geklappt. Wenn ich mein GPS-Track so anschaue, dann sehe ich, dass ich eine echte Schlangenlinie gesegelt bin, mit eher bescheidenen Geschwindigkeiten. Und auf einmal: Was, schon wieder baden gehen? Aus dem Nichts hat mich eine Böe völlig unvorbereitet auf dem linken Fuss, äh, wollte sagen, auf dem Backbordschwimmer erwischt und die Grossschot habe ich nicht mehr rechtzeitig aus der Belegung lösen können. Ja und jetzt? Das Wasser war immer noch gleich warm wie vorhin. Zum Glück waren die Profi-Glücksengel bald zur Stelle, nur, diesmal weigerte sich die „Seagull“ hartnäckig aufgerichtet zu werden. Am Schluss blieb nur noch das Abschleppen in gekenterter Lage in Richtung Trockenplatz. Kurz bevor wir dort angekommen sind, versuchten wir, bei fast kompletter Windstille, erneut, das Boot aufzurichten und es gelang uns auch auf Anhieb. Das wäre also mein drittes Streichresultat vom heutigen Tag. Anscheinend wurden aber der 3. Lauf und auch die Regatta abgebrochen und es blieb mir also nichts mehr anderes übrig, als den Trockenplatz anzusteuern. Mir war bis anhin gar nicht bewusst, dass sich der Begriff „Trockenplatz“ nicht nur auf Boote, sondern auch auf pflotschnasse Skipper bezieht.

Später, an Land, habe ich erfahren, dass es an dem Tag noch drei weitere Kenterungen von Katamaranen gegeben haben soll. Diese hatten das Aufrichten ihrer Boote allerdings bestens im Griff und die Kats waren in kürzester Zeit wieder aufgerichtet und zurück auf Kurs. Auch soll das Startschiff abgetrieben worden sein, und das war anscheinend der Grund fürs Abschiessen des letzten Laufes. Das habe ich allerdings alles nur vom Hörensagen mitbekommen, miterlebt habe ich es nicht direkt, ich war ja gerade mit mir selber und der „Möve“ beschäftigt.

Bei der Siegerehrung wurden dann die Schnellsten und Besten geehrt. Hut ab, bei diesen Bedingungen immer noch schnell zu segeln, das muss man zuerst können. Ich mit meinen drei Streichresultaten in zwei Läufen lag unangefochten auf dem letzten Platz. Für mich war es eine äusserst lehrreiche Regatta. Die Bedingungen waren zwar vielleicht nicht ganz alltäglich, aber auch nicht wieder so, dass man sagen müsste, es sei komplett unvernünftig gewesen überhaupt auszulaufen. Am Aufrichten nach einer Kenterung muss ich definitiv noch ein bisschen arbeiten.

Ein grosses Dankeschön geht an die Organisatoren und Helfer, die nicht nur eine Regatta unter erschwerten Bedingungen, sondern auch eine gelungene Preisverleihung mit anschliessendem gemütlichen Apéro auf die Beine gestellt haben. Ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder mit dem deklarierten Ziel, die rote Laterne und den Schreibstift jemand anderem weiterzugeben! Freiwillige?

Sandro B.
SUI 303
Bim J16 „Seagull“

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